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Kooperation - Sigmund Freund Universität, Wien

Die Kooperation von PSI und SFU in der Ausbildung von Psychoanalytikern

 

Das Psychoanalytische Seminar Innsbruck (PSI)

Das PSI konnte im Herbst 2009 auf ein 20jähriges Bestehen zurückblicken, was wir mit Freunden, Wegbegleitern, KollegInnen, AusbildungskandidatInnen und Kooperationspartnern in würdiger und ausgelassener Weise feierten.

Ein 20jähriger psychoanalytischer Diskurs, der unseren Weg als Ausbildungsverein (seit 1994 anerkanntes psychoanalytisches Fachspezifikum) aber auch als gesellschaftskritische Institution aufzeigen und zum Inhalt haben sollte, wurde dabei nochmals transparent und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. (In einer der nächsten „Couch“–Ausgaben mehr zur Gründung und Zielsetzung des PSI, seinen prägenden Personen etc.)

Bei der 20iger–Feier des PSI war auch der Rektor der SFU, Prof. Dr. Alfred Pritz, mit weiteren Kollegen des SFU-Staff, wie dem damaligen Fachvorstand des Department Psychoanalyse, Felix de Mendelssohn, und der Pro-Rektorin Dr. Elisabeth Vykoukal anwesend. Wir konnten damals auf die kurze, aber umso intensivere und arbeitsreichere Geschichte einer gemeinsamen Kooperation zwischen der jungen Sigmund Freud Universität in Wien, die weltweit als erste ein Psychotherapiestudium in Zusammenarbeit mit fachspezifischen Ausbildungsvereinen anbot, und dem PSI zurückblicken. Das PSI war wohl das erste Fachspezifikum – und dazu noch das psychoanalytische – das sich entschloss, diesem Projekt beizutreten und sich mit Rat und Tat an der Entwicklung zu beteiligen.

Wie nicht anders zu erwarten, gab es viele Kritiker und auch Neider, die bis heute nicht müde wurden, dieses innovative Konzept einer modernen psychotherapeutischen Ausbildung schlecht zu reden. Inzwischen sprießen jedoch die akademischen Lehrgänge und Kooperationen von Ausbildungsvereinen mit den Unis nur so hervor…, nachdem andere es einmal vorgemacht haben, ist`s ja auch leichter!

Die Zusammenarbeit zwischen PSI und SFU hat sich in diesen wenigen Jahren sehr gut entwickeln können, hier einige Gründe dafür:

Der Pioniergeist des PSI

Als modernes psychoanalytisches Institut, welches sich einerseits der Freudschen Tradition verpflichtet sieht, aber andererseits auch neueren, fundierten und überprüfbaren Weiterentwicklungen offen gegenüber steht, sahen wir in der Kooperation eine zielführende Herausforderung für eine zukünftige Psychoanalyse.

Das Vertrauen in persönlich gewachsene Beziehungen

Ich kannte Alfred Pritz schon seit Studienzeiten und aus den Begegnungen in verschiedenen therapeutischen Gruppierungen, von den Psychoanalytischen Arbeitskreisen bis hin zu ÖAGG und ÖGwG, wo wir beide auch als Trainer engagiert waren. So wussten wir wohl genau, was wir voneinander halten durften und auf was wir uns gegenseitig verlassen können würden. Diese freundschaftlichkollegiale Ebene war gerade auch in den ersten unsicheren Jahren ein wichtiger Baustein der Kooperation.

Voneinander Lernen

Die Bereitschaft beider Seiten, auch aus der Erfahrung der anderen Kollegen zu lernen und nicht nur engstirnig die eigenen Positionen zu verteidigen (bedauerlicherweise ein sehr beliebter Sport gerade unter Psychoanalytikern), diesen Prozess konnten wir inzwischen gut initiieren. Die KollegInnen von PSI und SFU arbeiten inzwischen in vielen Bereichen sozusagen im Doppelpack zusammen und sammeln auf diese Weise neue Erfahrungen, was dann bisherige Standpunkte relativieren hilft. Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit werden schließlich nach wissenschaftlichen Kriterien evaluiert und sollen u.a. den ca. 20 PSI – und ca. 80 SFU – AusbildungskandidatInnen zugute kommen, damit diese eigene psychoanalytische Positionen erlernen können und auch zu vertreten wissen.

Zukunftsperspektive Psychoanalyse

Der Zukunft dieser Kooperation, die inzwischen wohl aus vielen Anfangsschwierigkeiten herausgewachsen ist, sehe ich mit Freude und wissenschaftlichem Interesse entgegen. Die mehr als 30 Lehranalytiker in Wien und Innsbruck decken ein breites Spektrum psychoanalytischer Richtungen und Sichtweisen ab, und der Diskurs untereinander hat schon begonnen.

Das PSI versteht sich somit, wie schon anfangs erwähnt, als erfahrungsoffenes und gesellschaftskritisch orientiertes Ausbildungsinstitut und hat sich durch die Kooperation mit der SFU zu einem der größten psychoanalytischen Ausbildungsinstitute Österreichs entwickelt.

Dies wird uns in besonderer Weise Verpflichtung und Aufgabe sein, die Psychoanalse in Tradition und Weiterentwicklung – sowie im wissenschaftlichen Diskurs – in eine gute Zukunft zu führen.

 

Dr. Christoph Fischer, Jahrgang 1951

Studium der Psychologie

Psychoanalytiker und Gesprächspsychotherapeut nach Rogers

Trainer für Gruppendynamik und Gruppenpsychotherapie (ÖAGG)

Gründer und Leiter des Psychoanalytischen Seminars Innsbruck

Leiter des Fachbereichs Psychoanalyse an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien

Önologe und Vinothekar

 

 

Die Sigmund Freud Privatuniversität Wien (SFU)

 

2003 entschlossen sich vier PsychotherapeutInnen, Dr. Elisabeth Vykoukal, Dr. Jutta Fiegl, Heinz Laubreuter und ich, den Versuch zu wagen, mit vielen anderen KollegInnen zusammen eine Privatuniversität zu errichten mit dem Ziel, ein akademisches Vollstudium in der Psychotherapiewissenschaft zu ermöglichen. Denn bereits vor mehr als 20 Jahren bei der Konzeption des österreichischen Psychotherapiegesetzes, an dem ich teilzunehmen die Ehre hatte, forderte ich die akademische Verankerung der Psychotherapie, die schließlich im §12 PthG ihren Ausdruck fand: „ ... ein Studium ist anzurechnen ...“

Schließlich kam es zur Akkreditierung der SFU im Jahr 2005. Kurze Zeit danach berieten wir, wie man Praxis und Theorie so verbinden könnte, dass das Gute des jeweilig anderen zum Tragen kommen konnte. Und im Oktober 2005 trafen Dr. Christoph Fischer und ich zusammen, um eine Kooperation des PSI mit der SFU zu beschließen.

Dies war damals nicht selbstverständlich, der Druck auf uns beide aus der Psychoszene heraus, die SFU zu demontieren und mögliche Kooperationen zu verhindern, war enorm aber erfolglos, mittlerweile kooperiert die SFU mit neun fachspezifischen Einrichtungen.

Dass gerade das PSI mit uns kooperierte, war mir über die persönliche Freundschaft mit Christoph Fischer hinaus sehr recht, denn unser Anliegen war es, eine moderne und offene Psychoanalyse zu etablieren, mit dem Ziel, dass die Studierenden nicht indoktriniert werden, sondern ihren eigenen Weg suchen und finden können. Natürlich ist dies ein Pionierprojekt, das zwar in den 70iger Jahren in den USA angedacht wurde, aber dort nie zur Realisierung kam. Ich beobachte, dass die Diskussionen und das gemeinsame Arbeiten an der Psychoanalyse mit ihren vielen theoretischen Ansätzen und Praktiken lebendig stattfindet. Mittlerweile ist der Wiener Staff sehr groß geworden und die Verschiedenheiten im Grundverständnis der Psychoanalyse werden immer wieder sichtbar, allerdings nicht zwischen PSI und SFU, sondern quer durch die Erfahrungswelten der Lehrenden und Lehranalytiker.

Wir stehen am Beginn einer Entwicklung, die einen neuen Typus von PsychoanalytikerInnen hervorbringt, der sich bereits in jungen Jahren mit der Psychoanalyse anfreundet und so zu einer ganz neuen Identifikation mit ihr gelangt.

Die Intensität der Auseinandersetzung ist durch die Dichte der Lehrveranstaltungen und die gleichzeitige Arbeit in der Ambulanz sehr hoch, viel höher als es vor dieser Kooperation möglich schien.

Es ist auch interessant, dass der Zulauf zum psychoanalytischen Schwerpunkt unter den Studierenden sehr hoch ist, während in vielen psychoanalytischen Ausbildungseinrichtungen in Europa und den USA das Interesse an der psychoanalytischen Ausbildung oft dramatisch abnimmt.

Was können wir für die Zukunft erwarten: Nun sind die ersten Studierenden in die Psychotherapeutenliste als Psychoanalytiker eingetragen worden. Mit ihnen zusammen werden wir an der Kooperation weiterbauen und entsprechende Publikationen hervorbringen, die zeigen werden, dass dies ein erfolgreicher Weg für die Psychoanalyse und ihre Ausübenden ist.

 

Univ. Prof. Dr. Dr.hc. Alfred Pritz, Jahrgang 1952

Studium der Psychologie

Psychoanalytiker und Gesprächspsychotherapeut nach Rogers Hypnotherapie, Gruppendynamik, Integrative Gestalttherapie

Rektor der Sigmund Freud Privatuniversität

Präsident des World Council for Psychotherapy seit 1995 Generalsekretär des Europäischen Verbandes für Psychotherapie (EAP) seit 1992

Von 1992 bis 2000 Präsident des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie

Autor des Psychotherapiegesetzes

Psychotherapeut am Ambulatorium der Wiener Gebietskrankenkasse

 

 

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